Marc Rollinger und ich

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Foto Postkarten
In einer der früheren Treatmentfassungen aus dem Jahr 2007 beschrieb ich meine ersten Begegnungen mit Marc Rollinger. Da einige Fragen aufkamen wie ich zu dem Dokumentarfilmprojekt kam, veröffentliche ich hier den Originaltext. Diese Fassung wie alle anderen Fassungen von Treatments wurden von mir allein als Autorin und Regisseurin (in spe) verfasst.

Wie es zu diesem Dokumentarfilmprojekt kam

In diesem einzigartigen Fall habe nicht ich mir den Helden ausgesucht, sondern der Held kam zu mir. Über Freunde (Philipp Reimer) wurde die Geschichte eines komischen Kauzes an mich herangetragen. Einem Typ, der mit seinen 31 Jahren in 5 Sterne Grand Hotels übernachtet und das jedes Wochenende, um sich in der jeweiligen Stadt die Oper Don Giovanni anzusehen. Ein Essen wurde organisiert, wo wir uns begegnen sollten. Man habe ihm meinen letzten Dokumentarfilm (Weltenbummler) gezeigt, ein Nachmittag mit Georg Stefan Troller und Philipp Reimer in Paris. Er überlege, einen Film über sich in Auftrag zu geben.

Einen Tag vor Sylvester 2006/2007 stieg er vier Stockwerke hinauf in die Wohnung der Gastgeber. Mit einem Lungenvolumen von 50 Prozent war dies eine Heldentat und für mich ein Zeichen für die Dringlichkeit seines Wunsches.
In unserem späteren Briefkontakt schrieb er einmal:

„Wenn ich einmal sterbe,möchte ich außer meinen Büchern, Bildern und einem gut gemachten Dokumentarfilm nichts hinterlassen“

Wir kannten uns bereits beim ersten Sehen. Ich wusste, dass ich diesen Film machen kann. Seine Stimme richtete sich an mich. Kristallklar. Sein Witz erschien mir brilliant. Uns war beiden klar, dass der Weg dieses Films nach innen gehen würde und eine Tiefe erreichen könnte, die von uns beiden ausgeht.
Ich betonte, dass ich keinen oberflächlichen Film machen wolle, kein Urlaubsvideo mit wechselnden Standorten. Wir verabschiedeten uns mit einer respektvollen Verbeugung voneinander und dem warmen Bekenntnis der Zuneigung. Er könne sich gut vorstellen, mit mir diesen Film zu machen.

Am nächsten Tag, kurz nach dem Feuerwerk ins neue Jahr, kam eine knappe sms, in der er mir absagte. Er sei nicht in der Lage zu solch einem Projekt. Ich war nicht enttäuscht, da ich wusste, dass er nun ernsthaft darüber nachdachte, ob er die Reise mit mir und Don Giovanni bis ans Höllentor machen wolle.
Lange Zeit hörte ich nichts. Einzig die Postkarten von den Orten, an denen er sich aufhielt und die Oper verfolgte, verrieten mir seinen Weg. An einem Frühlingstag rief er an und sagte zu. Und ich hatte nun die Gewissheit, dass er dieses Projekt jetzt wirklich will.

Warum will Marc Rollinger diesen Dokumentarfilm machen? Ich denke, er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Vielleicht ist es auch ein Kampf gegen die Zeit. Ein Trick, in dem er die gute Zeit, die ihm bleibt aufzeichnen läßt. Eine Erinnerung an die Nachwelt. Oder die Erkenntnis, wie die russische Seele sagt, dass das Wertvollste, was der Mensch besitzt, das Leben selbst sei.

Und ich? Was will ich mit diesem Film? Es gibt diese Momente im Leben, indem ein Mensch sich offenbaren will. Die Erkenntnis einer inneren Wahrheit, Sehnsucht nach dem wahren Leben. Es ist wie kurz vor einem Sommergewitter, man spürt es bereits und freut sich auf den Regen. So spüre ich als Dokumentarfilmerin meinen Protagonisten Marc Rollinger. Ich halte meine Nase in die Luft, um zu prüfen, ob mein Gefühl stimmt und es beginnt zu blitzen. „Es hat gefunkt“ könnte man sagen. Diese Intensität zu teilen, bedeutet für mich Leben. Ich möchte diese Momente festhalten und zu diesem Gewitter beitragen.

Wir haben unsere gemeinsame Reise begonnen.

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