Marc Rollinger und Angela Christlieb im Wettstreit um den Titel: le film c’est moi!

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Oktober 6, 2013 von patriciafuerst

Filmkritik
Zu „Naked Opera“

Siehe auch Filmkritik letzter Absatz
Danke Michael Meyns, ein Mensch, der genau hinschaut und es sich auch zu sagen traut…

Webseite: http://www.realfictionfilme.de

Luxemburg/ Deutschland 2013 – Dokumentation
Regie: Angela Christlieb
Buch: Patricia Fürst
Länge: 85 Minuten
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 10. Oktober 2013

FILMKRITIK:

Marc Rollinger stammt aus Luxemburg, ist wohlhabend, arbeitet als Personalmanager, liebt die Oper, ein mondänes Leben, Callboys und leidet an einer unheilbaren Autoimmun Krankheit. Nicht zuletzt aber ist dieser Mann Mitte 30 ein extremer Narziss, der Menschen gerne von oben herab behandelt, sich in Restaurants und Hotels und eigentlich überall, wo er auftritt, wie ein Gockel benimmt und in arrogantem Befehlston seine intellektuelle Überlegenheit raushängen lässt. Sympathisch ist dieser Mann nicht, im Gegenteil. Und so überrascht es auch nicht zu erfahren, das Rollinger selbst die Idee hatte, einen Film über sein Leben zu drehen, um nach seinem Tod, der ihn durch seine Krankheit eher früher als später einholen wird, etwas zu hinterlassen.
So kam Angela Christlieb zu dem Projekt, die auf geradezu heroische Weise den Kampf mit einem Subjekt aufnahm, dass sich trotzt allem nicht einfach zum Objekt eines Dokumentarfilms machen lassen will. Die daraus resultierende Spannung führt bisweilen zu interessanten Momenten, in denen sich Rollinger etwa den Bitten der Regisseuren verweigert, doch hier oder dort zu stehen, dies oder jenes zu machen, um dem Erzählfluss der Geschichte zu dienen. Auf unterschwellige Weise versucht Christlieb in solchen Momenten, über das Inszenierte angeblicher Dokumentationen zu reflektieren, anzudeuten, wie künstlich auch ein scheinbar reales Dokument sein kann.
Doch wie vieles in „Naked Opera“ bleibt auch diese Ebene unterentwickelt, entsteht sie eher durch Aussagen der Regisseuren in Interviews über den Film, als im Film selbst. Ähnlich auch das Treffen Rollingers mit dem Pornodarsteller Jordan Fox, der für kurze Zeit sein Begleiter ist. Denn Rollinger hat ein großes Hobby: Mozarts Oper Don Giovanni. So oft es seine Zeit erlaubt, fliegt er durch Europa, besucht in Venedig, Wien oder Berlin immer neue Inszenierungen, nächtigt in teuren Hotels, trinkt Literweise Champagner und lässt sich bei diesen Reisen von einer wechselnden Riege internationaler Callboys begleiten. Dieses Leben wirkt so glatt und leer wie es sich anhört, bis eben Jordan Fox auftaucht.
Zu diesem scheint Rollinger eine gewisse Nähe aufzubauen, behauptet gar, verliebt zu sein. Zum ersten Mal offenbart der sonst so selbstsichere Mann Risse, scheinen sich so etwas wie menschliche Emotionen zu zeigen. Doch inwieweit diese Entwicklung tatsächlich authentisch ist oder nur Inszenierung bleibt offen.
Dass „Naked Opera“ so schwer zu durchschauen ist, es kaum nachvollziehbar ist, ob es sich hier um eine Dokumentation, ein Dokudrama, oder um reine Fiktion handelt, mag auch an der schwierigen Produktion liegen. Die Autorin und Regisseurin Patricia Fürst arbeitete jahrelang an dem Stoff, fand schließlich Produzenten, die ihr kurz nach Drehbeginn die Regie entzogen. Angela Christlieb sprang ein und führte die Dreharbeiten durch. So ist „Naked Opera“ auch ein Film über die Schwierigkeiten einer Filmproduktion, der sich bei seinem Bemühen Komplexität zu erzeugen in einem Maße in Metaebenen begibt, dass am Ende kaum noch nachvollziehbar ist, was an dieser Geschichte, was am Menschen Marc Rollinger wahr ist und was Fiktion.

Michael Meyns

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